Methoden der Vermehrung im Überblick
Hortensien lassen sich vor allem über Stecklinge, Absenker oder durch Teilung vermehren. Welche Methode passt, hängt von der Hortensienart, vorhandenen Trieben und dem gewünschten Zeitaufwand ab. Stecklinge eignen sich für alle Arten und erhalten die Eigenschaften der jeweiligen Sorte. Absenker benötigen meist weniger laufende Pflege, brauchen bis zur Bewurzelung jedoch deutlich länger. Teilung und Ausläufer kommen hauptsächlich bei Ballhortensien infrage.
Stecklinge
Die Tabelle vergleicht die gängigen Methoden nach Aufwand, Zeitraum und passender Hortensienart.
| Methode | Zeitpunkt | Aufwand | Erfolgsaussicht | Eignung für welche Art |
|---|---|---|---|---|
| Stecklinge | Mai bis August | Mittel; regelmäßige Kontrolle nötig | Gut bei gesunden, kräftigen Trieben | Alle Hortensienarten |
| Absenker | Frühjahr bis Sommer | Gering; lange Standzeit | Gut, wenn der Trieb Bodenkontakt hält | Arten mit langen, biegsamen Trieben |
| Teilung | Frühjahr oder Herbst | Hoch; kräftiger Wurzelballen nötig | Abhängig von Wurzelmasse und Anwachsen | Vor allem Ballhortensien |
| Ausläufer | Frühjahr oder Herbst | Gering bis mittel | Gut bei bereits bewurzelten Ausläufern | Ballhortensien, die Ausläufer bilden |
Hortensien durch Stecklinge zu vermehren ist die übliche Wahl, wenn mehrere neue Pflanzen mit denselben Sorteneigenschaften entstehen sollen. Das gilt für Bauern-, Teller-, Rispen-, Schneeball- und Kletterhortensien. Die Methode ist planbar und benötigt keine Teilung des älteren Mutterstrauchs.
Der Aufwand bleibt überschaubar, auch wenn die Stecklinge während der Bewurzelung kontrolliert werden müssen. Die genaue Auswahl, das Schneiden und Einpflanzen sowie die anschließende Pflege unterscheiden sich je nach Entwicklungsphase.
Absenker
Absenker sind eine langsamere, aber pflegearme Möglichkeit, eine Hortensie zu vermehren. Ein bodennaher Trieb bleibt zunächst mit der Mutterpflanze verbunden und wird erst abgetrennt, wenn er eigene Wurzeln gebildet hat. Während dieser Zeit versorgt die Mutterpflanze den Trieb weiter; regelmäßiges Nachpflanzen oder Umtopfen entfällt.
Die Bewurzelung dauert häufig mehrere Monate und kann bis zum folgenden Frühjahr reichen. Wie schnell sie erfolgt, hängt unter anderem von Bodenkontakt, Feuchtigkeit und Wuchskraft des Triebs ab. Die Methode eignet sich deshalb eher, wenn kein rasches Ergebnis nötig ist. Das Anlegen und spätere Abtrennen eines Absenkers wird in der praktischen Anleitung behandelt.
Teilung und Ausläufer
Teilung und Ausläufer passen vor allem zu Ballhortensien, die seitlich neue Triebe aus dem Wurzelbereich bilden. Ein bereits bewurzelter Ausläufer lässt sich als eigenständiger Ableger gewinnen; bei der Teilung wird dagegen ein kräftiger Pflanzenstock in bewurzelte Stücke zerlegt. Beide Wege greifen stärker in den bestehenden Wurzelbereich ein als das Schneiden von Stecklingen.
Andere Hortensienarten bilden gewöhnlich keine klar abgrenzbaren Ausläufer, weshalb diese Methode dort nicht zuverlässig verfügbar ist. Teilung verlangt Kraft und einen ausreichend großen, vitalen Wurzelballen. Für Einsteiger sind Stecklinge meist der übersichtlichere Einstieg, weil sie sich an allen Hortensienarten nutzen lassen; auch dabei hängt das Anwachsen von den Bedingungen ab.
Stecklinge Schritt für Schritt
Hortensien aus Stecklingen zu ziehen gelingt am besten, wenn Triebwahl, Einpflanzen und Pflege aufeinander abgestimmt sind. Für die Vermehrung eignen sich junge, gesunde Triebe, die noch nicht blühen. Nach dem Einsetzen brauchen sie gleichmäßige Feuchtigkeit und ein geschütztes Kleinklima, dürfen aber nicht dauerhaft nass stehen. Sobald sich Wurzeln gebildet haben, werden die Jungpflanzen einzeln weiterkultiviert.
Zeitpunkt und Triebwahl
Der beste Zeitpunkt für Hortensienstecklinge liegt meist im Juni und Juli. Dann sind die diesjährigen Triebe ausreichend entwickelt, aber noch weich und biegsam. In dieser Phase lassen sie sich gut schneiden und bilden unter passenden Bedingungen zuverlässig Wurzeln. Bei sehr heißem, trockenem Wetter empfiehlt sich die Arbeit am frühen Morgen, wenn die Pflanze gut mit Wasser versorgt ist.
Wählen Sie einen kräftigen, gesunden Trieb ohne Blütenknospen oder Blütenstand. Blühende Triebe stecken mehr Kraft in die Blüte und eignen sich schlechter für die Bewurzelung. Als Richtwert gilt eine Länge von 8 bis 12 Zentimetern mit zwei Blattpaaren. Der Trieb sollte weder sehr dünn noch bereits hart und verholzt sein. Vermeiden Sie außerdem welke, beschädigte oder von Schädlingen befallene Pflanzenteile; sie treiben langsamer an und können faulen. Schneiden Sie nur so viele Triebe, dass die Mutterpflanze ihre Form behält und weiterhin ausreichend Laub trägt.
Schneiden und Einpflanzen
Für das Einpflanzen der Stecklinge reichen ein sauberes, scharfes Messer oder eine gereinigte Gartenschere, kleine Töpfe mit Abzugslöchern und magere Anzuchterde. Arbeiten Sie die Triebe möglichst direkt nach dem Schneiden weiter, damit sie nicht austrocknen.
- Setzen Sie den Schnitt knapp unter einem Blattknoten an, denn an diesem Bereich entstehen später besonders gut neue Wurzeln.
- Entfernen Sie das untere Blattpaar vollständig und lassen Sie die oberen Blätter stehen; große Blattflächen halbieren Sie quer mit einer sauberen Schere.
- Füllen Sie einen Topf mit angefeuchteter, lockerer Anzuchterde und drücken Sie die Oberfläche nur leicht an, damit sie luftdurchlässig bleibt.
- Stecken Sie den Trieb etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde und drücken Sie das Substrat ringsum vorsichtig an.
- Gießen Sie sparsam an und decken Sie den Topf mit einer durchsichtigen Haube oder Folie ab, ohne dass diese die Blätter berührt.
Verwenden Sie keine schwere, stark gedüngte Blumenerde: Sie hält zu viel Wasser und kann die empfindliche Schnittstelle schädigen. Auch ein zu tief eingesetzter Trieb oder dauerhaft nasse Erde begünstigen Fäulnis statt Wurzelbildung.
Bewurzelung und Pflege
Stellen Sie die abgedeckten Töpfe hell, jedoch ohne direkte Sonne auf. Hinter Glas kann sich die Luft unter der Abdeckung stark aufheizen; ein geschützter Platz im Zimmer oder im lichten Schatten ist geeigneter. Meist entwickeln sich die Stecklinge bei etwa 20 Grad Celsius gut. Halten Sie die Anzuchterde gleichmäßig leicht feucht, aber nicht tropfnass: Staunässe verdrängt Luft aus dem Substrat und lässt die Schnittstellen faulen.
Unter der transparenten Abdeckung bleibt die Luftfeuchtigkeit hoch, sodass die noch wurzellosen Triebe weniger Wasser über die Blätter verlieren. Lüften Sie regelmäßig, indem Sie die Haube kurz abnehmen, und entfernen Sie Kondenswasser, wenn es sich stark sammelt. Eine dauerhaft ungelüftete, sehr feuchte Abdeckung schafft günstige Bedingungen für Schimmel. Entdecken Sie weiche, dunkle oder muffig riechende Stellen, nehmen Sie betroffene Pflanzenteile samt angrenzendem Substrat heraus und lassen Sie die Oberfläche kurz abtrocknen. Saubere Werkzeuge und maßvolles Gießen senken das Risiko weiterer Fäulnis.
Die Bewurzelung von Hortensien dauert häufig drei bis sechs Wochen, abhängig von Wärme, Triebzustand und Feuchtigkeit. Ziehen Sie nicht regelmäßig am Steckling, um Wurzeln zu prüfen. Sichtbares neues Wachstum kann ein Hinweis auf das Anwachsen sein; kontrollieren Sie den Wurzelballen vorsichtig, bevor Sie umtopfen. Haben sich ausreichend Wurzeln gebildet, setzen Sie jeden Steckling einzeln in einen kleinen Topf mit geeigneter Pflanzenerde. Gewöhnen Sie die Jungpflanzen schrittweise an weniger feuchte Luft, indem Sie die Abdeckung über mehrere Tage länger geöffnet lassen.
Junge Hortensien bleiben im ersten Winter frostfrei, etwa in einem kühlen, hellen Raum oder einem geschützten frostfreien Gewächshaus. Gießen Sie dort sparsam weiter, sodass der Ballen nicht vollständig austrocknet, und vermeiden Sie zugleich Wasser im Übertopf. Erst nach der frostfreien Überwinterung sind die bewurzelten Pflanzen kräftiger genug für die nächste Kulturphase.
Absenker und Teilung in der Praxis
Hortensien durch Absenker zu vermehren gelingt, wenn ein biegsamer Trieb nahe am Boden wächst und sich ohne Knick absenken lässt. Bei der Teilung kommt es dagegen darauf an, einen eigenständig bewurzelten Ausläufer zu finden. Beide Arbeiten sind im Frühjahr oder Herbst möglich, wenn der Boden bearbeitbar und nicht gefroren ist. Welche Methode passt, hängt vor allem vom Wuchs der Hortensie und von erreichbaren Wurzeln ab.
Absenker legen
Ein Absenker bleibt zunächst mit der Mutterpflanze verbunden und wird erst nach erfolgreicher Wurzelbildung abgetrennt. Für diese Methode eignet sich ein gesunder, bodennaher Trieb, der sich im Frühjahr ohne starken Zug biegen lässt.
- Wählen Sie im Frühjahr einen biegsamen, tief sitzenden Seitentrieb, der den Boden ohne Knicken erreicht; junge, gesunde Triebe lassen sich leichter fixieren.
- Lockern Sie die Erde unter dem Trieb und ritzen Sie an einer kurzen Stelle auf der Unterseite die Rinde flach an, ohne den Trieb abzutrennen.
- Ziehen Sie eine flache Mulde von etwa fünf Zentimetern Tiefe, legen Sie den angeritzten Abschnitt hinein und bedecken Sie ihn mit lockerer Gartenerde.
- Fixieren Sie den Abschnitt mit einem gebogenen Drahtbügel oder einem Stein; die Triebspitze bleibt oberhalb der Erde und wächst weiter.
- Halten Sie die Stelle während trockener Wochen gleichmäßig leicht feucht; meist entstehen innerhalb einer Saison genügend Wurzeln für ein eigenständiges Anwachsen.
Prüfen Sie im Frühjahr oder Herbst vorsichtig, ob der eingegrabene Abschnitt eigene Wurzeln gebildet hat. Trennen Sie den bewurzelten Absenker dann mit einer sauberen Gartenschere von der Mutterpflanze und pflanzen Sie ihn zeitnah an seinen vorgesehenen Platz.
Ballhortensien teilen
Ballhortensien lassen sich im Frühjahr oder Herbst teilen, wenn sich an der Basis ein junger Ausläufer mit eigenen Wurzeln zeigt. Die Teilung betrifft diesen bewurzelten Ableger und bedeutet nicht, den gesamten Strauch beliebig in Stücke zu schneiden.
- Wählen Sie einen frostfreien Tag im Frühjahr oder Herbst und wässern Sie die Ballhortensie am Vortag, damit der Boden beim Ausgraben nicht trocken auseinanderfällt.
- Stechen Sie mit einem Spaten in etwas Abstand um den jungen Ausläufer herum ein und lockern Sie den Wurzelbereich, bis seine Verbindung zur Mutterpflanze sichtbar ist.
- Heben Sie den Ausläufer samt eigenem Wurzelwerk vorsichtig an; durchtrennen Sie die verbindende Wurzel mit einem scharfen Spaten, statt den Ableger abzureißen.
- Erhalten Sie möglichst viele feine Wurzeln und entfernen Sie nur grob anhaftende Erde, damit der Ausläufer beim Umsetzen nicht unnötig austrocknet.
- Pflanzen Sie den abgetrennten Ausläufer zeitnah in gleicher Tiefe wieder ein, drücken Sie die Erde leicht an und gießen Sie den Wurzelbereich gründlich.
Andere Hortensienarten bilden häufig keine klar erkennbaren Ausläufer mit eigenen Wurzeln. Übertragen Sie die Teilung deshalb nicht pauschal auf jeden Hortensienstrauch, sondern trennen Sie nur einen tatsächlich bewurzelten Ausläufer ab.
Samen und Sortenschutz
Hortensien lassen sich nicht nur vegetativ vermehren: Auch Samen können neue Pflanzen hervorbringen. Diese Methode eignet sich vor allem, wenn unterschiedliche Blütenfarben oder Wuchsformen erwünscht sind. Für eine Pflanze mit denselben Merkmalen wie eine bestimmte Sorte ist die Aussaat dagegen ungeeignet. Bei geschützten Sorten kommt außerdem darauf an, ob die Vermehrung privat oder gewerblich erfolgt.
Aus Samen ziehen
Hortensien aus Samen zu ziehen, ist vor allem für Zuchtversuche und neue Variationen interessant. Sämlinge sind nicht sortenecht: Ihre Eigenschaften können von der Mutterpflanze abweichen, weil bei der Bestäubung Erbanlagen verschiedener Pflanzen zusammentreffen und neu kombiniert werden. Blütenfarbe, Blütenform und Wuchs lassen sich deshalb bei einer Aussaat nicht zuverlässig vorhersagen.
Auch die Geduld spielt eine Rolle. Bis zur ersten Blüte vergehen meist mehrere Jahre; je nach Art, Standort und Entwicklung sind etwa zwei bis vier Jahre möglich. Eine junge Sämlingspflanze zeigt ihre späteren Blütenmerkmale daher nicht unmittelbar nach dem Keimen. Wer gezielt eine bestimmte Hortensiensorte erhalten möchte, sollte Samen nicht als unveränderte Vermehrungsmethode einplanen.
Bei der Aussaat geht es vielmehr darum, Unterschiede zwischen den Nachkommen zu beobachten und gegebenenfalls eine neue, interessante Pflanze auszuwählen. Das Ergebnis ist nicht automatisch eine benannte oder geschützte Sorte. Für die sortengleiche Weitergabe einer vorhandenen Hortensie ist die Aussaat somit ungeeignet; sie lohnt sich, wenn mehrere Jahre Wartezeit und ein offenes Ergebnis akzeptabel sind.
Sortenschutz bei der Vermehrung
Viele Hortensiensorten sind durch Sortenschutz geschützt. Das Recht schützt die gezüchtete Sorte und räumt dem Rechteinhaber für bestimmte Vermehrungs- und Vermarktungshandlungen eine ausschließliche Stellung ein. Der Schutz kann national oder auf Ebene der Europäischen Union gelten; maßgeblich ist der Status der jeweiligen Sorte, nicht allein ihr Name auf einem Pflanzenetikett.
Für den eigenen Garten ist die Vermehrung zu privaten, nicht gewerblichen Zwecken in Deutschland in der Regel zulässig. Das ist von einer Vermehrung für den Verkauf zu unterscheiden: Wer geschützte Hortensien gewerblich vermehrt oder Pflanzen dieser Sorte verkauft, benötigt grundsätzlich die Zustimmung des Rechteinhabers. Das gilt auch dann, wenn die Ausgangspflanze selbst rechtmäßig erworben wurde.
Vor einer gewerblichen Nutzung sollte deshalb geprüft werden, ob die konkrete Sorte geschützt ist und wer die Rechte hält. Angaben auf dem Sortenetikett können einen ersten Hinweis geben; verbindliche Informationen lassen sich über die Sortenschutzregister des Bundessortenamts und des gemeinschaftlichen Sortenamts der EU ermitteln. Schutzdauer und Rechtslage können je nach Eintragung und Sorte unterschiedlich sein. Eine pauschale Erlaubnis für gewerbliche Vermehrung oder Verkauf lässt sich daraus nicht ableiten.